Beide. Das ist die ehrliche Antwort auf die Frage, ob ich Manfred bin oder der Ich-Erzähler. Beide – aber keiner vollständig.
Der Ich-Erzähler ist der Planer. Der Analytiker, der alles kontrollieren will, der Bauchgefühlen misstraut, weil er ihnen schon zu oft gefolgt ist und sich dabei blamiert hat. Der Bedenkenträger, der eine Situation lieber zweimal zu oft durchdenkt als einmal zu wenig.

Manfred ist das Gegenteil. Manfred glaubt – an die große Liebe, an den Sinn, an die Fügung. Der hoffnungslose Romantiker, der sich partout nicht kleinkriegen lässt, egal wie viele Enttäuschungen vorausgegangen sind. Ich kenne diese beiden Stimmen sehr gut. Ich höre sie regelmäßig.
Was ich beim Schreiben getan habe: Ich habe sie so weit auseinandergezogen, wie es dramaturgisch Sinn ergibt. Ein Roman, in dem sich zwei vernünftige Menschen freundlich einigen, ist kein besonders guter Roman. Also habe ich beide Anteile bis auf ihr Maximum aufgedreht und dann aufeinander losgelassen. Anfangs sind die beiden fast unverträglich: Der Ich-Erzähler hält Manfred für einen naiven Traumtänzer, Manfred hält den Ich-Erzähler für einen hoffnungslosen Kontrollfreak, der die schönsten Momente seines Lebens wegorganisiert hat. Beide haben recht.

Wie sie sich verändern
Was mich beim Schreiben am meisten beschäftigt hat: Im Laufe der Trilogie tauschen die beiden ein Stück weit die Rollen. Nicht dramatisch, nicht über Nacht – aber merklich. Der Ich-Erzähler wird romantischer, Manfred wird pragmatischer. Das ist, glaube ich, das Ehrlichste, was ich über mich selbst geschrieben habe: dass auch ich nicht mehr derselbe bin wie am Anfang.
Kopfmensch gegen Bauchmensch – das trifft es auch, aber es greift zu kurz. Was ich beschreibe, ist ein konkreter innerer Lärm, den ich kenne und von dem ich glaube, dass viele ihn kennen: dieser Zustand, in dem man gleichzeitig weiß, dass man vorsichtig sein sollte, und trotzdem hofft, dass diesmal alles anders wird. Manfred Mi Amor handelt davon, wie man mit diesem Widerspruch lebt – nicht wie man ihn auflöst. Man lernt bloß, besser mit ihm umzugehen. Oder man schreibt einen Roman darüber. Ich wäre keinen der beiden los, selbst wenn ich könnte.
