Der erste Teil von Manfred Mi Amor ist größtenteils wahr. Das sage ich offen, weil es ohnehin auffällt – und weil es ehrlicher ist als das übliche Herumdrucksen mit „angelehnt an reale Ereignisse”. Manche Situationen habe ich zusammengeführt, manche Details verändert, manche Figuren verfremdet. Aber der Kern ist echt. Was ich nicht eingeplant hatte: dass das Schreiben darüber etwas in Gang setzt.
Als die Geister sich meldeten
Ich hatte gerade angefangen ernsthaft zu schreiben, saß an den ersten Kapiteln, hatte Figuren entwickelt, Situationen aus der Erinnerung gezogen – und plötzlich meldeten sich Menschen. Menschen, an die ich gerade gedacht hatte. In einigen Fällen hatte ich seit über zehn Jahren nichts mehr von ihnen gehört. Nicht einer, nicht zwei – mehrere, in kurzer Folge. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich nachmittags über jemanden geschrieben hatte und abends eine Nachricht von genau dieser Person bekam.
Ich habe mir dann die Frage gestellt, ob ich die Geister gerufen hatte – ob das Schreiben über Menschen eine Art Verbindung herstellt, die ich nicht beabsichtigt hatte. Oder ob es einfach Zufall war, den ich nur bemerkt habe, weil ich gerade so tief in diesem Material steckte, dass mir jede Koinzidenz auffiel. Ich neige zur zweiten Erklärung. Aber sicher bin ich nicht.
Was dann passierte, war in den meisten Fällen gut. Manche Gespräche, die sich daraus ergaben, waren überfällig. Manche Dinge haben sich dadurch geklärt, die ich unbewusst noch mitgeschleppt hatte. Der Schreibprozess hatte eine therapeutische Nebenwirkung, die ich nicht geplant hatte – und die ich im Nachhinein nicht missen möchte.
Wie genau sollte man die Realität wiedergeben?
Was die Frage nach dem Autobiografischen angeht: Ich habe sehr genau darauf geachtet, Menschen so zu verfremden, dass niemand bloßgestellt wird. Namen sind geändert, Situationen verändert, Details umgestellt. Teil 2 und Teil 3 sind dann deutlich weniger autobiografisch – da ist die Geschichte wirklich Roman, erfunden, konstruiert, manchmal absurd. Aber der erste Teil trägt noch sehr viel echtes Material in sich. Das merkt man, glaube ich. Und das ist auch ein Grund, warum er funktioniert.
