Ich lebe seit über zwanzig Jahren in St. Pauli. Ich kenne die Stammgäste in den Kneipen, die Abkürzungen durch die Hinterhöfe, die Abende, die um elf Uhr anfangen und sich irgendwie in den frühen Morgen ziehen. Ich kenne Park Fiction und den Bunker und die Schifffahrten auf der Elbe, bei denen man zwischen Touristinnen sitzt und trotzdem das Gefühl hat, das hier gehört einem. Wer in St. Pauli lebt, schreibt diesen Stadtteil von innen – und genau das merkt man hoffentlich.
St. Pauli hat eine Eigenschaft, die ich für diesen Roman besonders schätze: Hier treffen Dinge aufeinander, die anderswo getrennt wären. Hochkultur und Kneipe. Reeperbahn und Künstleratelier. Tourismus und Menschen, die seit dreißig Jahren dieselbe Theke belegen. Non-binäre Figuren, zugereiste Hamburger, Nachtschwärmer und Frühaufsteher, alles auf einem Quadratkilometer. Das schafft Begegnungen, die in einem homogeneren Milieu nicht entstehen würden – und für einen Roman über Liebe, Dating und die kuriosen Wege, auf denen Menschen aneinander vorbeilaufen oder aufeinandertreffen, ist das ein sehr dankbares Umfeld.
Es gibt in dem Buch reale Hintergrundgeschichten. Über Park Fiction, über den Bunker, über die Eigenlogik des Stadtteils. Nicht als Stadtführung, sondern als Kontext, der Figuren und Situationen glaubhafter macht. Wer die Orte kennt, wird sie erkennen. Wer sie nicht kennt, wird trotzdem verstehen, warum der Protagonist so ist, wie er ist – weil St. Pauli ihn geprägt hat, so wie es mich geprägt hat.
Ich habe viel im Elbgold geschrieben, manchmal im Schanzenpark, manchmal direkt an der Elbe. Nicht weil ich die Inspiration brauchte, sondern weil ich ohnehin dort war. Wenn man zwanzig Jahre in einem Stadtteil lebt, ist er nicht mehr Kulisse – er ist einfach Hintergrund, der immer da ist. Beim Schreiben von Szenen, die am Hamburger Berg spielen, musste ich nicht nachdenken, wie es sich dort anfühlt. Ich weiß es.
Was ich mir vom Buch erhoffe: Dass Leserinnen und Leser, die St. Pauli kennen, beim Lesen innerlich nicken. Und dass die, die es nicht kennen, danach vielleicht neugierig drauf sind. Das wäre ein schöner Nebeneffekt.
