Mein chaotisches Ideen-System – und die Himbeere, die es nicht ins Buch geschafft hat

Ich habe kein System. Das ist vielleicht das Ehrlichste, was ich über meinen Schreibprozess sagen kann. Was ich habe, ist ein Notizbuch mit grob drei Schichten: erst ein paar Zeilen zu einer Idee, die ich noch nicht zu Ende gedacht hatte, dann ein Versuch, daraus Struktur zu machen – Figuren, mögliche Szenen, eine ungefähre Richtung –, und schließlich einzelne Kapitelüberschriften mit Stichworten. Dann bin ich ans Laptop und habe geschrieben.

Ideen kommen nicht dann, wenn man am Schreibtisch sitzt. Ich bin mehrfach nachts aufgewacht, weil mir etwas eingefallen war – eine Formulierung, eine Szene, ein Detail. Neben dem Bett lag eine Kladde. Unterwegs: Sprachnotizen per E-Mail an mich selbst, oder Kalendereinträge mit ein paar Stichworten, damit ich abends noch wusste, was ich gemeint hatte. Manches davon war Gold. Manches war beim zweiten Lesen kompletter Unsinn.

Und dann gibt es die Himbeeren. Ich habe irgendwo eine Werbung gesehen für Schokolade mit Himbeerfüllung – außen knusprig und süß, innen weich, mit dieser leichten Säure. Das Bild hat sich sofort als Metapher aufgedrängt, für einen bestimmten Menschentyp: außen unkompliziert, innen eine Schicht, mit der man nicht gerechnet hatte. Ich habe mir das notiert. Und dann zuhause angekommen: verworfen. Zu konstruiert, zu bewusst. Der Unterschied zwischen einer guten Idee unterwegs und einer Idee, die am Schreibtisch noch standhält, ist größer als man denkt.

Das ist, glaube ich, wie kreativer Schreibprozess wirklich funktioniert – zumindest für mich. Nicht mit einem sauberen Konzept, sondern mit einem offenen Radar für alles, was sich irgendwie einpassen könnte. Manches landet im Buch. Manches landet im Papierkorb. Der Unterschied zeigt sich erst, wenn man es aufschreibt.

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