‚Das könnte ich nie.’ – Und warum ich es dann doch getan habe.

Wenn man gerade einen Roman liest, in dem jeder Satz sitzt, macht man sich klein. Das passiert unwillkürlich. Ich habe während des Schreibens viel gelesen – und mich dabei regelmäßig gefragt, was mich eigentlich glauben lässt, dass ich das auch kann.

Was mich dann weitergebracht hat, waren ausgerechnet zwei Bücher: Thees Uhlmann, in dem der Protagonist mit dem Tod spricht – direkte Sprache, klarer Ton, keine unnötige Komplexität. Und Oliver Uschmanns Hartmut-Reihe, lebensnah und lustig, ohne literarischen Hochglanz. Bei beiden dachte ich: So ungefähr könnte ich das vielleicht auch. Vielleicht nicht ganz so gut. Aber in die Richtung.

Also habe ich zehn Kapitel geschrieben. Nicht mit dem Anspruch, einen fertigen Roman zu haben, sondern um herauszufinden, ob ich das überhaupt kann. Die beiden Freundinnen, denen ich das Projekt verdanke, bekamen das Ergebnis zu lesen. Das Feedback war gut genug, um weiterzumachen.

Im Schreiben selbst habe ich dann eine Entwicklung durchgemacht, die ich nicht geplant hatte. Ich hatte am Anfang versucht, Niveau herzustellen: variierte Satzstrukturen, Fremdwörter, intellektuelle Anspielungen. Was ich beim Überarbeiten merkte: Das macht alles langsamer. Es stört den Lesefluss. Es wirkt bemüht, weil es bemüht ist. Also habe ich es rausgestrichen – Satz für Satz. Und je mehr ich gestrichen habe, desto mehr entstand das, was ich eigentlich wollte: eine Geschichte, die sich liest wie ein Gespräch.

Beim Lektorat habe ich mich mehrfach beinahe totgelacht – über mein eigenes Buch. Über Szenen, die ich vergessen hatte. Über Formulierungen, die besser waren, als ich sie in Erinnerung hatte. Das war der Moment, in dem der Zweifel aufgehört hat zu lärmen. Nicht weil ich plötzlich dachte, ich wäre ein großer Schriftsteller. Sondern weil ich gemerkt habe: Es ist gut genug, dass ich dahinterstehen kann. Und das reicht.

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