Meine Familie weiß, dass ich ein Buch geschrieben habe. Gelesen hat es noch keiner von ihnen.

Das ist die Sache mit dem Schreiben über das eigene Leben: Man möchte, dass es Leute lesen. Nur nicht unbedingt alle – und schon gar nicht die, die einen am längsten kennen.

Am Anfang wussten es nur zwei Menschen: die beiden Freundinnen, die mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatten. Als ich die ersten zehn Kapitel fertig hatte, haben sie das Manuskript als Weihnachtsgeschenk bekommen. Eine Art Danke, und gleichzeitig der ehrlichste Lesetest, den ich mir vorstellen konnte.

Als der erste Teil fertig war, habe ich ihn noch einigen wenigen weiteren Personen gegeben – einzeln, selektiv, als Bitte um eine Meinung. Einer hatte ihn innerhalb von zwei Stunden durch und fragte sofort nach dem zweiten Teil. Eine Kollegin schrieb mir: „Ich habe laut gelacht. Im Bus. Allein.” Das sind die Momente, für die man schreibt.

Meine Familie weiß Bescheid. Sie wissen, dass es ein Roman ist, dass er bald erscheint, dass ich fast zwei Jahre daran gearbeitet habe. Gelesen hat ihn noch keiner von ihnen. Das klingt merkwürdig, ich weiß – aber es ist keine Scham, und es ist nicht, dass ich das Buch schlecht finde. Es ist sehr persönlich. Es handelt von meinem Liebesleben, von Situationen, die ich erlebt habe, von einer Innenperspektive auf Dinge, über die ich im Familienkreis nicht unbedingt sprechen würde.

Ich bin vollkommen bereit, das wildfremden Menschen zu geben. Aber die Menschen, die mich am längsten kennen, sollen es zuletzt lesen. Fremde haben kein Bild von einem, das sich durch das Lesen verändern könnte. Die Familie hat das. Sie werden es lesen, wenn es erscheint – ich bin gespannt, und ein kleines bisschen nervös.

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