Wann ist ein Roman fertig? Wenn er sich rund anfühlt.

Das ist eine Frage, auf die ich keine vernünftige Antwort hatte, bevor ich sie selbst durchgemacht habe: Wann weiß man, dass man fertig ist? Wann ist eine Geschichte zu Ende?

Manfred Mi Amor ist ein dreiteiliger Roman. Das war nie so geplant. Ich hatte Teil 1 geschrieben und das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist – nicht weil mir Stoff fehlte, sondern weil sich etwas noch nicht gesetzt hatte. Also habe ich weitergeschrieben. Bei Teil 2 war es ähnlich: Das Ende war da, aber die Sache war noch nicht rund. Irgendetwas hing noch in der Luft. Also kam Teil 3.

Das richtige Ende finden

Ich hatte für den Abschluss mehrere Varianten im Kopf. Verschiedene letzte Szenen, verschiedene Ausgänge, verschiedene Zustände, in denen die Figuren am Ende stehen. Manche davon habe ich tatsächlich geschrieben, nur um zu sehen, wie sie sich anfühlen. Keine davon war es. Nicht weil sie schlecht waren, sondern weil sie nicht stimmten – weil ich beim Lesen das Gefühl hatte, da fehlt noch etwas, oder: das geht noch weiter.

Das Gefühl, das ich gesucht habe, ist schwer zu beschreiben. Es ist kein dramatischer Moment, kein Klick. Es ist eher ein leises Zufriedensein nach dem Lesen der letzten Seite. Das Gefühl, dass die Geschichte jetzt genau da aufhört, wo sie aufhören sollte. Nicht zu früh, nicht zu spät. Dass nichts mehr fehlt und nichts mehr zu viel ist.

Als ich dieses Gefühl hatte, wusste ich: Das ist das Ende. Die Version, die es schließlich geworden ist, wäre mir am Anfang des Schreibens nicht eingefallen. Sie hat sich aus allem Vorangegangenen ergeben – aus den Figuren, die sich verändert haben, aus der Geschichte, die eine eigene Richtung entwickelt hat. Mehr sage ich nicht. Das Buch soll für sich sprechen.

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