Ich hätte auch hadern können. Ich hab mich fürs Lachen entschieden.

Bevor das erste Wort geschrieben war, stand eine Entscheidung. Nicht über den Plot, nicht über die Figuren. Die Entscheidung war: Wie gehe ich mit diesem Material um? Mit diesen Geschichten, diesen Situationen, diesen Typen, denen ich begegnet bin? Man hat dabei Optionen. Man kann hadern. Man kann anklagen. Man kann das große Drama draus machen. Ich hab mich für Humor entschieden. Und das war bewusst.

Wenn man mich fragt, was für ein Buch Manfred Mi Amor ist, sage ich: ein Unterhaltungsroman. Das klingt unspektakulär, aber ich meine das ernst. Das Ziel ist, dass jemand das Buch aufschlägt, dass man durchkommt, dass man lacht, dass man vielleicht an einer Stelle denkt: Das kenne ich irgendwie. Einen üertrieben hohen literarischen Anspruch habe ich nicht. Im Kern soll das Buch einfach funktionieren. Gute Unterhaltung – und das ist für mich keine niedrige Ambition.

Aber Humor braucht Abstand. Das ist die Voraussetzung. Die Geschichten, die im Buch landen, liegen zeitlich schon ein gutes Stück zurück. Beim Wiedervorholen dieser Situationen habe ich gemerkt, dass ich bei einem großen Teil davon gar nicht mehr emotional involviert war. Das war einfach: Aha, kurios. Das ist passiert. Was für eine seltsame Konstellation. Und wenn man das mit einem Augenzwinkern aufschreibt, entsteht Komik nicht aus Distanz um der Distanz willen, sondern aus Klarheit – man sieht die Situation so wie sie war, ohne dass die eigene Verletzung noch dazwischensteht.

Interessant war, was dabei übrig blieb. Die Dinge, die es letztlich ins Buch geschafft haben, sind genau die, bei denen ich emotional kaum noch etwas empfinde. Die anderen – die Situationen, die mich über Jahre wirklich beschäftigt haben, wo mehr dran hing – die sind nicht reingekommen. Nicht weil ich sie schonen will, sondern weil Komik eine bestimmte Grundkonstellation braucht. Wenn etwas noch wehtut, ist es schwer, darüber zu lachen. Und wenn es aufgehört hat wehzutun, ist es meistens gar nicht mehr so dramatisch – aber dadurch oft viel lustiger.

Was ich nicht eingeplant hatte: dass das Schreiben auch ein Spiegel wird. Man holt Situationen wieder vor, und irgendwann taucht die Frage auf, was man selbst da eigentlich beigetragen hat. Das ist manchmal keine angenehme Frage. Aber wenn man die mit einem Augenzwinkern stellen kann, ist das vielleicht die ehrlichste Form von Selbstreflexion. Kein Selbstgeißeln, kein großes Drama. Einfach: Das war so. Und so war ich dabei. Und das war manchmal ziemlich absurd.

Man hätte dasselbe Material auch anders aufschreiben können. Bitter, erzählerisch distanziert, analytisch. Ich wollte das nicht. Die Entscheidung fürs Lachen war keine Flucht vor dem Ernst der Sache – sie war eine Haltung. Und ich glaube, dass Humor in diesem Kontext ehrlicher ist als jede andere Tonlage es gewesen wäre.

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