Sieben Tage. Am 22. Oktober erscheint „Manfred mi Amor“, und ich kann es inzwischen nicht mehr an den Wochen abzählen, sondern an den Fingern. Als ich vor fünf Wochen hier geschrieben habe, dass es ernst wird, kam mir das schon dramatisch vor. Jetzt weiß ich, dass das noch die gemütliche Phase war.
Das Seltsame ist: Praktisch gibt es nicht mehr viel zu tun. Der Text ist fertig, das Cover ist fertig, das Buch wird gedruckt, ob ich nun nervös bin oder nicht. Vier Jahre lang gab es immer irgendetwas, das ich noch ändern, noch verbessern, noch einmal lesen konnte. Diese Ausrede ist weg. Was bleibt, ist warten, und das kann ich schlechter als schreiben.
Jeden Tag ein Countdown

Die Social-Media-Grafiken für die letzten Tage liegen vorbereitet auf dem Rechner, eine pro Tag, Manfred steht jeweils mit Flügeln und Pfeil daneben und guckt genervt. Er findet den Countdown albern. Ich finde ihn auch ein bisschen albern. Ich poste ihn trotzdem, jeden Morgen, und freue mich jedes Mal, wenn jemand reagiert.

Dazwischen veröffentliche ich etwas, das aus dem Buch selbst kommt: Der Ich-Erzähler hat eine Methode, um zu prüfen, ob er wach ist oder träumt. Er zählt Dinge auf. Listen, die ihm im Kopf herumliegen, bescheuerte Friseurnamen zum Beispiel. Wer die Namen aufzählen kann, ist wach, so die Theorie. „Kamm Bodscha“ war die Nummer neun. Die Listen sind kurz, sie sind ein bisschen doof, und sie verraten mehr über den Erzähler, als er selbst ahnt. Genau deshalb poste ich sie: Wer darüber lacht, wird wahrscheinlich auch über das Buch lachen. Zu finden auf Instagram und TikTok.
Plakate kleben

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs. Mit einem Stapel Plakate unter dem Arm durch Buchhandlungen, Cafés und an einige Originalschauplätze aus dem Roman. Das ist eine merkwürdige Erfahrung: An Orten zu stehen, die ich beschrieben habe, und dort ein Plakat aufzuhängen, auf dem steht, dass ich sie beschrieben habe. Das Plakat hängt jetzt zwischen WG-Anzeigen und Konzertankündigungen, und so soll es auch sein. Manfred ist auf St. Pauli zu Hause, nicht im Schaufenster.
Probelesen für den 25. Oktober
Drei Tage nach dem Erscheinen steht die Book Release Party mit Lesung im Nachthafen an. Meine erste Lesung überhaupt, die offenen Fragen dazu habe ich hier schon aufgeschrieben. Inzwischen übe ich. Laut, allein, vor dem Rechner, und ich muss zugeben: Vorlesen ist viel schwerer, als ich dachte.
Vor Leuten zu sprechen ist nicht das Problem. Das mache ich beruflich ständig, auf Konferenzen, in Workshops. Aber da kann ich improvisieren, da laufe ich herum, da rede ich mit den Händen und mit dem ganzen Körper. Bei einer Lesung steht man still, hält ein Buch fest und liest Sätze vor, die genau so dastehen, wie sie dastehen. Kein Ausweichen, kein „anders gesagt“. Das ist weit außerhalb meiner Komfortzone, und ich merke beim Üben, wie oft ich mich verhaspele, zu schnell werde, an den falschen Stellen Luft hole. Ich probiere gerade aus, welche Kapitel sich zum Vorlesen eignen und welche nur beim stillen Lesen funktionieren. Das ist nicht dasselbe.
Wer sich das anschauen will: Eintritt frei, Anmeldung gern über die Lesungsseite.
Und jetzt?
Jetzt warte ich. Und ich bin aufgeregt wie lange nicht. Nicht, weil noch etwas schiefgehen könnte, sondern weil ab nächster Woche andere entscheiden, was das Buch ist. Vier Jahre lang war es meins. Ab dem 22. Oktober gehört es den Leuten, die es lesen. Werden sie lachen? Werden sie sich in Manfred wiedererkennen oder ihn unerträglich finden? Werden es zehn Leute sein oder hundert oder mehr? Ich habe keine Ahnung, und das ist das Aufregende und das Beängstigende daran, beides gleichzeitig.
Ich bin sehr gespannt auf das Feedback. Auf jedes einzelne. Als jemand, der ein Buch geschrieben hat und sich immer noch nicht als Autor sieht. Vielleicht ändert sich das nächste Woche. Vielleicht auch nicht. Ich melde mich. Wer vorab schon wissen will, worum es geht: alles zum Buch.
