Wenn ich erzähle, dass ich einen Dating-Roman geschrieben habe, kommt fast immer die Frage: Und womit kann man das vergleichen? Ich habe mich lange davor gedrückt, weil jeder Vergleich auch verrät, was man nicht ist. Was ein Dating-Roman mit Humor für mich ist, habe ich hier schon einmal aufgeschrieben. Jetzt versuche ich es trotzdem, mit sechs Büchern, die mir Leserinnen, Buchhändler oder Freunde in den letzten Monaten genannt haben. Bei jedem Titel steht dabei, was Manfred mi Amor davon hat und was nicht.
Tommy Jaud: Vollidiot
Der Vergleich, der am häufigsten fällt. Zu Recht, was die Grundhaltung angeht: Ein Mann erzählt von seinem Singleleben, aus der Ich-Perspektive, und lacht dabei zuerst über sich selbst. Diese Männersicht mit Humor teilt Manfred mi Amor mit „Vollidiot“. Der Unterschied ist die Zeit: Jauds Roman ist von 2004, Simon Peters kennt weder Tinder noch Sprachnachrichten, und er lebt in Köln. Manfred spielt in einer Gegenwart, in der das erste Kennenlernen fast immer auf dem Handy beginnt, und in Hamburg. Und es gibt eine zweite Stimme, die es bei Jaud nicht gibt.
Anika Decker: Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Wer Deckers Roman mag, mag vermutlich das Tempo und die Dialoge. Beides habe ich mir für Manfred auch gewünscht: kurze Kapitel, viel direkte Rede, Szenen, die man vor sich sieht. Decker erzählt allerdings aus der Sicht von Nina, fast fünfzig, geschieden, mit einem deutlich jüngeren Mann. Manfred erzählt aus der Sicht des Mannes, der auf dem Datingmarkt nicht der Jüngere ist, sondern der Nerd. Die Richtung ist also dieselbe, die Perspektive eine andere.
Isobel Markus: Dating-Roman
Der Titel sagt schon, worum es geht, und thematisch ist „Dating-Roman“ die nächste Verwandte: Online-Dating, das Spiel mit echten Erlebnissen, die Frage, wie viel davon wahr ist. Auch bei Manfred ist vieles wirklich passiert und dann mit Abstand aufgeschrieben. Markus erzählt aber aus Berlin, aus weiblicher Sicht und autofiktional, mit Einsamkeit und Enttäuschung als Grundton. Manfred ist eine Komödie. Die Enttäuschungen kommen vor, aber sie werden ausgelacht, nicht ausgehalten.
Julia Karnick: Man sieht sich
„Man sieht sich“ ist der leisere Gegenpol in dieser Liste: eine Liebe, die über dreißig Jahre Anlauf braucht, von der Schulzeit bis zum Klassentreffen. Kein Dating-Roman, sondern ein Roman über das Warten. Wer das mochte, findet bei Manfred dieselbe Frage, ob es diesmal klappt, nur in einem ganz anderen Takt: nicht drei Jahrzehnte, sondern drei Teile, und dazwischen Dates, die man so nicht geplant hat. Karnick ist die Empfehlung für Leser, die nach Manfred etwas Ruhigeres brauchen. Oder davor.
Antonia Wesseling: Loverboy
„Loverboy“ wird mir genannt, weil es um Verlieben in der Gegenwart geht, mit Handy, mit Mitbewohnerin, mit dem Gefühl, dass sich jemand verändert, seit er eine neue Beziehung hat. Das Buch ist deutlich jünger als Manfred, in der Zielgruppe wie im Personal, und es ist Romance mit Spannungsbogen, keine Komödie. Gemeinsam ist beiden, dass Dating hier nicht als Kulisse dient, sondern die Handlung trägt. Wer Wesseling liest, ist bei Manfred aber eher der Gast als der Stammleser.
Michael Nast: Generation Beziehungsunfähig
Kein Roman, sondern ein Sachbuch, und trotzdem der Vergleich, der inhaltlich am dichtesten dran ist. Nast beschreibt in „Generation Beziehungsunfähig“, wie Tinder die Partnersuche verändert hat und warum Selbstoptimierer sich mit dem Bleiben schwertun, aus männlicher Sicht. Manfred mi Amor erzählt dieselbe Beobachtung als Geschichte: ein Single, der alles richtig machen will, und ein Amor, der findet, dass genau das der Fehler ist. Nast erklärt, Manfred führt vor. Wer nach dem Sachbuch wissen will, wie sich das anfühlt, wenn man mittendrin steckt, kann hier weiterlesen.
Und was es so noch nicht gab
Jeder dieser sechs Titel hat etwas, das Manfred auch hat: die Männersicht bei Jaud und Nast, das Tempo bei Decker, das Online-Dating und die echten Erlebnisse bei Markus, die Frage nach dem Klappen bei Karnick, das Verlieben in der Gegenwart bei Wesseling. Was es so noch nicht gab: eine Dating-Komödie aus männlicher Sicht, in Hamburg, an echten Orten, mit einer zweiten Stimme im Kopf, die nicht als Fabelwesen erklärt wird. Manfred ist kein Engel und kein Geist. Er ist der Teil von mir, der es besser weiß, und er hält damit nicht hinterm Berg. Warum das so ist, steht im Blog.
Für Leser von Jaud, Decker, Markus und Karnick. Manfred mi Amor erscheint am 22. Oktober 2026 im PMLakeman-Verlag, 392 Seiten, 18,00 Euro. Vorbestellen beim Verlag oder bei Amazon; alle Daten, Leseprobe und Leserstimmen auf der Buchseite.
