In der Hängematte in Kolumbien, im Café, im Park: Wie Manfred Mi Amor entstand

Einen Schreibtisch hatte ich nie. Keine feste Uhrzeit, kein Wochenpensum, kein Ritual. Ich arbeite freiberuflich, und in den gut eineinhalb Jahren des Schreibens hatte ich keine feste Routine. Was ich hatte, waren Lücken – Phasen, in denen die Arbeit ruhiger war, und die habe ich genutzt. Manchmal habe ich das Schreiben sogar vor meine eigentliche Arbeit priorisiert. Der Drang war dann einfach da.

Das Schreiben lief nach dem Flow-Prinzip: Wenn er da war, habe ich geschrieben. Wenn nicht, habe ich es gelassen. Was zunächst nach einem schlechten System klingt, hat am Ende gut funktioniert. Erzwungene Seiten merkt man dem Text an. Besser eine Woche Pause und dann drei Stunden am Stück als jeden Tag pflichtbewusst fünf Absätze runterschreiben.

Schreiben in Palomino

Sehr viel habe ich auf Reisen geschrieben – in Kolumbien, in den Bergen in Minca, in Uruguay, in Asien. Das klingt romantischer als es manchmal war; manchmal ist man einfach irgendwo, hat Zeit, und dann schreibt man. Aber der Ortswechsel hat geholfen. Raus aus dem Alltag, der Kopf ist anders, und die Szenen kommen leichter. Geschrieben habe ich meistens linear: die nächste Idee kam, ich habe weitergeschrieben. Das ganze Buch hat sich in meinem Kopf angefühlt wie ein Film, den ich teilweise mitspiele – Szene für Szene, immer weiter.

Write your story

Was ich nicht geplant hatte: dass es drei Teile werden. Ich hatte zunächst nur Teil 1 im Kopf. Dann kam eine Wendung, die sich anbot, und plötzlich war da Teil 2. Bei Teil 2 habe ich mich so schwer getan, ein Ende zu finden, dass ich es zunächst offengelassen habe – und dann folgte Teil 3. Die drei Teile haben sich mit einem gewissen zeitlichen Abstand ergeben, jeder ein bisschen nach dem anderen, was inhaltlich sehr viel Sinn ergibt: Jeder Teil beschreibt auch eine eigene Phase – im Leben des Erzählers und, wenn man so will, in meinem eigenen. Das war so nicht geplant. Aber das Beste an diesem Projekt hat sich oft so ergeben: ungeplant, zwischen anderen Dingen, irgendwo in einer Hängematte.

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