Irgendwo zwischen dem dritten Kapitel und dem letzten Lektorat ist etwas passiert, das ich nicht geplant hatte. Wenn man über das eigene Liebesleben schreibt, über Situationen, die man vor Jahren erlebt hat, kommt man nicht drum herum, sich selbst anzuschauen. Beim Schreiben merkte ich, dass manches davon noch nicht so weit weg war, wie ich gedacht hatte. Und dass das Formulieren, das Zugeben, das Betrachten aus der Distanz eine Art Abschluss schafft, den ich nicht erwartet hatte.
Dann ist da die Empathie. Ich habe mich nie für einen besonders empathischen Menschen gehalten – eher analytisch, eher strukturiert, eher jemand, der Dinge durchdenkt statt durchfühlt. Aber wer Figuren glaubhaft gestalten will, wer sich in jemanden hineinversetzen muss, der anders reagiert als man selbst, braucht Empathie. Ich habe mehr davon, als ich dachte. Und: Kreativität. Ich habe mich nie als kreativen Menschen bezeichnet. Das Handwerk dahinter – Welten erfinden, Dialoge konstruieren, Szenen bauen, die funktionieren – ist etwas anderes als Marketing. Und ich habe gemerkt, dass ich das kann. Das hat verändert, wie ich über mich denke.
Was mich am meisten beschäftigt
Die Idee, dass der Ich-Erzähler und Manfred beide Teile von mir sind, hat etwas Klärendes gehabt. Dieser innere Lärm zwischen dem, der plant, und dem, der hofft – den kenne ich seit Jahren. Ihn in Figuren zu gießen, ihm Namen zu geben und ihn dann miteinander streiten zu lassen, hat ihn auf eine merkwürdige Art erträglicher gemacht. Als hätte das Schreiben einen Raum für diesen Konflikt geschaffen, der außerhalb von mir liegt – wo ich ihn betrachten kann, ohne von ihm vereinnahmt zu werden.
Ich weiß nicht, ob ich wieder schreibe. Ich glaube, ja – nicht weil ich muss, sondern weil ich gemerkt habe, dass es mir etwas gibt, das ich woanders nicht finde. Die Stille beim Schreiben. Den Moment, wenn eine Szene funktioniert. Das leise Zufriedensein, wenn man einen Satz liest, den man selbst geschrieben hat, und denkt: Ja. Genau so. Das Buch ist das Ende von etwas. Aber vermutlich auch der Anfang von etwas anderem.
